Disputorium

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Zock Bock Radio: M. Pondsmith, Cyberpunk, Polizeigewalt und Revolution

Höre es gerade: tolle Fragen und Themen!

 

Gänzlich nebensächliche Fußnote zu Modellierungsfragen:

Ambient temperature and the occurrence of collective violence: A new analysis.

Mehr zu den wirklich interessanten Themen ein andermal.

 

 

Kommt drauf an, wer ihr ist. Ich bin aber dünnhäufig im Moment, auch, wenn man mich nicht anspricht. War in letzter Zeit sehr stressig daheim 🙁

Was ich anstrengend finde ist, dass man den Eindruck hat, ihr (?) gebt einfach billige ressentiments weiter, in dem Fall Verachtung weißer Nerds, ist ja auf beiden Seiten des gesamten Links/Rechts Spektrums ein sehr beliebtes Ziel. Bleibt ja auch sonst niemand Erlaubtes übrig. Dabei ist die Community Zusammensetzung ja nicht ein selbstauferlegtes Problem, sondern eine Ausgrenzung von außen! Das die sich dann verstärkt, z.b. in der Darstellung von Kulturen im RPG, kommt vielleicht dazu.

pS. Mit Ihr meinte ich dich Vermi.

Danke für die Antwort, BoyScout. Lass uns das lieber nicht vertiefen, da liegt kein Segen drauf.

Auf jeden Fall wollen wir im Poddy gegen Pauschalisierung für Differenzierung Longform machen.

Ihr habt es während des Podcasts kurz erwähnt, Netrunner/andere Charaktere wurden selbst in Eurem Berliner Netzwerk kaum gespielt.

Schade, ich hätte gerne Erfahrungen dazu gehört, insbesondere zum Thema, ob das Tankstellen/Pizzaproblem (also, alle anderen Spieler fahren zur Tanke oder Pizza holen, während der Decker sein Ding macht) bei Cyberpunk selbst ebenfalls ein solches Problem war.

(Schnitt)

Ich denke gerade über Neuromancer nach. Für die, die es nicht kennen: Der "Held" Case ist ein ehemaliger Elitehacker, der versucht hat, die falschen aufs Kreuz zu legen, und am Anfang des Romans Drogen auf den Straßen Neo-Tokios vertickt und als Auftragsmörder arbeitet.

Heute gibt es in Deutschland ein musikalisches Genre, dass das am Band so vertextet. Muss mir Neuromancer noch mal mit anderem Soundtrack als damals reinziehen.

It is by nerdiness alone I set my mind in motion. It is by the roll of dice my thoughts acquire speed; the dice create uncertainty, and uncertainty creates an adventure. It is by nerdiness alone I set my mind in motion.

@Vermi: da gebe ich dir Recht. Ich will auch nicht streiten, aber gerade wo hier so oft sensible Fragen angesprochen werden, sollte man nicht ähnlich nachlässig sein.

Zitat von Lord Verminaard am 19. Juni 2020, 16:40 Uhr
  • Da Settembrini die übertriebene Krassheit erwähnte mit ihren fast schon parodistischen Zügen, musste ich sofort an Paranoia denken, das es ja vor Cyberpunk gab, und zu dem sich der Vergleich für mich an einigen Stellen (Stichwort SC-Abschussliste) aufdrängte. Hat mich gewundert, dass ihr darauf gar nicht eingegangen seid.
  • So, wie ihr über diesen Screwhead-Besinnungsaufsatz berichtet, sprang mich geradezu die Parallele zu “Auf ein Wort” an. Etwas andere Stoßrichtung vielleicht, aber im Selbstverständnis und Duktus schien mir das frappierend ähnlich. Gedanken dazu?

Jemand noch Lust, hierzu was zu sagen?

Paranoia hatten wir im Nachgespräch erwähnt. Aber Paranoia war aja crazy, CP2020 hardball wurde ja todernst gespielt, ohne Lachen, nur mit COOL.

Ad 2: Kannst Du das ausführen? Die Lesereverachtung? Spielervaerachtung oder der Kontrollimpuls?

Moin,

hier mal meine 2 Cents zu eurem wirklich sehr unterhaltsamen Podcast.

 

Castle Falkenstein lässt sich nach meinen Empfinden nicht wirklich in das hineinschieben was wir 'heute' Steampunk nennen. Die Schlagwörter sind meiner Meinung nach eher Viktorianik, Fantatisk und Science Fiction. Der Punk-Aspekt in Steampunk scheint mir eher ein Fashionstatement zu sein. (Abfällig gesagt; Unterwäsche über der Kleidung tragen, Zahnräder an Hüte kleben und Schweißerbrillen zur Abendgarderobe.)

Cyberpunk habe ich selbst ein einziges Mal gespielt und unserer Runde war mehr so ein Shadowrun Light, daher ist das folgende allein eine "Leseart" von dem was ihr wiedergegeben habt.

Zu Settemrinis Anmerkung über die Gangs die eher als Parodie erscheinen: Das scheint mir zum einen eine Hommage an den Film "The Warriors" zu sein und zum Anderen eine harte Überspitzung der "Colors" einer Gang.

Überhaupt ist meine Leseart das der Sinn der Gangs ein Stammesersatz zum Eigenschutz ist. Man tritt einer Gang bei um in der Masse stark zu sein. Man trägt die Farben der Gang um sich zu schützen und andere einzuschüchtern, um dem Gegenüber klar zu signalisieren: "Greif mich an und 100 meiner Kumpel machen Jagd auf dich.". Die Farben der Gang sind so extrem, damit eine Verwechslung unmöglich ist. Gerade in einem Umfeld wie im Cyberpunk, das ja allerlei schräge Gestalten kennt, muss man ein extremes Statement setzten um Verwechslungen auszuschließen.

Warum der Scum nun selber Schuld an der Misere der Combatzones sein soll ist meiner Lesart nach, nicht etwa der Umstand das sie sich in dieser Situation wiederfinden sondern viel mehr wie sie damit umgehen. Sie treten nach unten. Sie schließen sich in Gruppen zusammen um sich selber abzusichern und ein Minimum an Macht, Gewalt und Ressourcen anzuhäufen und benutzen es dann genau so, wie es das System mit ihnen gemacht hat und unterdrücken Andere, Schwächere. Der Idealist würde wohl sagen, dass das der Punkt ist, an dem die Moral dieser Individuen versagt hat.

 

Dementsprechend könnte man auch die vorgeschlagene Herangehensweise für den Spielleiter lesen. Mach deinen Spielern klar; alleine sind sie am Arsch. Es ist egal wie viel persönliche Macht, wie viele Ressourcen, Waffen oder sonst was sie anhäufen, sie richten nichts aus. Wenn sie an dem Punkt sind, das sie DAS begriffen haben, werden sie entweder zu gebrochenen Gestalten die in einem Rausch aus Gewalt und Drogen untergehen oder sie werden zu Revolutionären, und machen das "moralisch Richtige" und treten nach oben.

Man könnte das Ganze, so richtig  zynisch, als Lackmustest für die Moral der Charaktere oder, noch zynischer, für die der Spieler sehen.

 

Ob diese Leseart das Präsentierte nun besser macht... Zuckt mit den Schultern.

 

Shadowrun mit tatsächlichem Punk-Aspekt..das wäre schon was. Die heist geschichten mit Endlosplanung, welche eh in einem feuergefecht endet, konnte ich nie ab.

Das Spiel hat aber auch nie ganz klargemacht, wie das überhaupt funktionieren soll. ich hatte eher so den Eindruck, die Konzerne, gegen die man ja eigentlich rebellieren sollte, sind das einzige, was die Welt noch am Laufen hält. Es gab auch keinen richtigen Gegenentwurf, wie es denn anders aussehen sollte. Die SC wollten sich halt selber bereichern.