Disputorium

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Was ist "das Böse"?

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Ausgelöst durch den Faden "Political correctness & D&D" stelle ich interessehalber mal die Frage in die Runde:

Wer representiert bei euch "das Böse" in Abenteuern, besser noch in länger laufenden Kampagnen?

Sind es die klassischen Monster aus dem Bestiarium? Sind es NSCs der auch für Spieler zugänglichen Rassen? Ist "das Böse" offensichtlich auf den ersten Blick anhand der Rasse erkennbar? Gibt es ein für die Spieler erkennbares Ziel der Bösen, welches aus deren Sicht einen Sinn ergibt?

Rückschauend muss ich sagen, dass bei mir seit vielen, vielen Jahren Monster eigentlich eher nur noch Werkzeuge / Waffen waren. Das Böse wurde zumeist representiert durch Humanoide, Unsterbliche und/oder Götter, einzeln oder in Fraktionen. In jedem Fall waren es intelligente Wesen mit einer Entscheidungsfreiheit, deren Handeln auf konkreten Gründen basierte.

Wesen, die einfach per Definition böse sind, hielt ich für zu durchschaubar / vorhersehbar, Abenteuer, die sich hierauf beschränken, für zu flach. Ich habe immer versucht, meinen Abenteuern ein logisch nachvollziebares Gerüst zu geben, das sie Spieler aufdecken konnten und sie motivierte, einzuschreiten.

Andererseits wurde mir irgendwann vorgeworfen, meine Abenteuer seien zu kompliziert (, was mich damals ziemlich überrascht hat, weil ich selbst es nicht so empfand). Da habe ich es also offenbar für die betreffenden Spieler übertrieben und sie hätten sich ein ganz schlichtes Abenteuer mit von Anfang an feststehenden Fronten, ein paar kleine Kämpfe und anschließendes looten gewünscht. Ich dachte, da seien wir lange drüber hinweg. Inzwischen denke ich zunehmend über eine Rückbesinnung unter verschiedenen Aspekten nach (sei es angeregt durch OSR oder durch die sehr fundierten Ausführungen zu D&D 1e verschiedener User dieses Forums an unterschiedlichen Orten). Darum würde mich interessieren, wie andere langjährige Spielleiter das handhaben.

Ist mein fortschreitender Verzicht auf klassische Monster des jeweiligen Bestiariums eher eine normale (fast schon automatische) Entwicklung bei langjährigen Runden oder ist das eher ungewöhnlich?

Einzelfallbezogen für die Planung eines speziellen Settings hatten wir ein ähnliches Thema schon mal hier:

https://fantastisches-rollenspiel.de/forum/topic/settingentscheidung-keine-monster-ohne-neue-monster/

Mir geht es aber mehr um die quantitative und qualitative Bewertung in rückschauender Betrachtung über möglichst lange Zeiträume.

Interessante Frage. Für mich ist "das Böse" keine Kategorie, mit der ich mich in diesem Sinne explizit beschäftige. Für mich ist immer das Setting, das Milieu entscheidend. Je nachdem, wie das gestaltet ist, unterscheiden sich auch die Antagonisten. Und die Protagonisten.

Auch böse Wesen haben komplexe Motivationen. Auch mit bösen Wesen muss man verhandeln. Es ist nicht der Ansatz, dass man alles "böse" einfach bekämpft. Die Spielwelt ist weniger grau, als die Realität. Aber sie ist nicht schwarz/weiß.

Also, ja, es gibt uneingeschränkt böse Monster und böse NSCs. Und, nein, das Wissen darum reicht den Spielfiguren nicht aus, um sich im Spielmilieu zurecht zu finden.

Die SC, weil sie immer mit Artefakten rumhantieren müssen und dabei Katastrophen auslösen. 😀

 

In historischen Settings NSCs: feindliche Herrscher und ihre Elite-Truppen. Mongolische Reiterhorden. Der Kaiser von Byzanz. Napoléon Bonaparte. Meuterer!

* Orangener Gurt im PJJ * Grüner Gürtel im Drama-Fu (Drachen-Stil) * Blauer Gürtel im Pyro-Fu * Night's Master im Ghoulu Jitsu *

Kommt darauf an, was ich spiele:

  • im klassischen Fantasy muss es das Böse geben, da dies ja eben DAS Erkennungsmerkmal von Fantasy ist. Insofern findet sich da immer ein Sauron/Darklord, der seine/ihre Horden von Orks oder Ersatzorks befehligt.
  • im Sword&Sorcery gibt es kein Böses per se. Da stehen dann eben eher konkurrierende Begierden im Vordergrund - Marke "dein Böse ist mein Gut".

 

Die nächste Frage wäre wie gespielt wird:

  • Spiele ich ARS werde ich (langfristig) nicht ohne das Böse auskommen.
  • Zentriere ich auf die Charakterentwicklung kann ich durchaus auch ohne das Böse spielen, oder wenn, dann ist es nur nebensächliches Stilmittel um die guten Eigenschaften der Helden hervorzubringen.

 

Ist also - wie gesagt - nur schwer zu beantworten.

Stimme der Vernunft. 4E Archoangel - love me or leave me!

Wir spielen nur Cthulhu, und da ist das Böse recht eindeutig alles, was mit dem Mythos zu tun hat. Cthulhu ist halt speziell ,weil die Spieler ja mit der Zeit Zauber erlernen, Mythoswissen anhäufen, und damit auch böse werden. Da wird es dann schnell grau.

ich denke, an und für sich brauchst du "das Böse" nur dann, wenn du jemanden benötigst, der an allem schuld ist, und der gedankenlos abgeschlachtet werden darf. Der klassische Ork aus Mittelerde bietet sich da an. Wenn die Spieler daran kein Interesse haben, kann man auf das Böse gut verzichten.

In Fantasykampagnen nehme ich meistens schon das Etikett, das dransteht - plus einige normalerweise Gute, die entweder aus der Art geschlagen sind, oder andere Ziele als die Charaktere haben. Ich schaffe sie meist nicht als Monolith, sondern als widerstrebende Fraktionen (zb Orks vs. Drow vs. Roter Drache mit einer Armee aus Kobolden).

In SciFi-Kampagnen lasse ich die Etiketten einfach weg. Es gibt nur noch Fraktionen mit widerstrebenden Zielen.

It is by nerdiness alone I set my mind in motion. It is by the roll of dice my thoughts acquire speed; the dice create uncertainty, and uncertainty creates an adventure. It is by nerdiness alone I set my mind in motion.

Bei D&D sind es für mich die Götter, die das definieren. Damit hat man die Gesinnungen ja ganz gut einsortiert. Die einzelnen Leute, die dann diesem oder jenem Gott oder Dämon nachlaufen, sind dann böse oder dumm/verblendet.

Die neun Höllen beispielsweise sind da recht interpretationsfrei für mich. Aber Orkstämme können durch eine Dominanz auch zu anderen Gottheiten außer den traditionellen gebracht werden, so lange es dem Appeal der traditionellen Gottheiten irgendwie ähnelt. Also, Krieg und Chaos, aber dann halt neutral statt böse. Die neue Chefin hat's gesagt, und die hat unseren alten Chefoberboss geschreddert.

Zu dem Thema "Was ist 'das Böse'?" hatte ich vor Jahren schon mal etwas angerissen, was hier in einen Forenbeitrag zu stopfen zu lang ausfallen dürfte. Daher nur ein Link.

Bei meiner momentan pausierenden Mechwarrior-Kampagne: Gibt's nicht.

Es gibt einzelne Personen, manchmal auch Gruppen, die selbst in der grauschattierten Welt der Nachfolgestaaten, wie ich sie mir vorstelle, als moralisch verwerflich anzusehen sind. Aber "Das Böse(tm)" nicht.

Im Fantasy-Kontext mag ich "Das Böse" eher andersweltlich. Dass eine komplette intelligente Spezies mit Familien, Sozialstrukturen etc. herumläuft und böse ist, war noch nie so ganz meins. Also, Dämonen als das Böse funktionieren für mich, Orks eher nicht so.

Bin auch nicht so der Freund der D&D-Alignments.

Punch it, 中尉!
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