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Rolled Inclusivity

Prozedurale Diversität – rolled inclusivity

Hätte noch Nachschliff vertragen.

Current thinking of this agency: 10 Ignores

Ich finde das sehr eingängig.

Besonders, wenn man es nicht nur bei der Ausgestaltung des Settings verwendet - denn ich persönlich habe sozusagen den 3. w20 nicht im Vorhinein mitgedacht, da meine Milieus insofern eine Utopie sind, als dass die Orientierung den Bewohnern des Settings im positiven Sinne egal ist.

Aber wenn es spielerisch relevant wird, zum Beispiel um Informationen zu bekommen indem ein NSC angeflirtet wird, dann kann man rasch würfeln und auf der Basis einen Bonus oder Malus auf den Reaktionswurf vergeben.

Das Schöne ist, dass das eine unaufgeregte, organische Herangehensweise ist. Über die Werteverteilung kann man natürlich immer streiten, aber das Ansinnen ist ja klar und die konkreten Werte ggf. schnell geändert.

Ich finde Deinen Ansatz recht interessant.

Für mich bleibt er aber - und das bitte ich nicht als Provokation zu verstehen, sondern ggf. als Ausdruck meiner eigenen Unzulänglichkeit - eher theoretisch, weil die praktische Umsetzung von Diversität am Spieltisch mir nicht dadurch leichter fällt, dass ich einen Zufallsgenerator bemühe.

Ich versuche meine etwas diffusen Gedanken hierzu mal zu skizzieren:

Zunächst einmal bin ich der Auffassung (meine Spieler mögen das ja vielleicht anders bewerten), dass das Geschlecht oder die sexuelle Orientierung eines NSCs oder SCs in meinen Spielrunden nahezu keine praktische Spielrelevanz haben. Zumeist war ich bisher Spielleiter und habe keine Abenteuer mit expliziten Inhalten etc. geleitet. Prämisse für mich ist, dass die Spieler sich - von Horrorelementen etc. abgesehen - wohlfühlen sollen; Themen die das gefährden könnten, vermeide ich eher.

Bei mir kann daher jeder Spieler solche Dinge so handhaben wie er es will. Einem Spieler würde ich nicht vorschreiben wollen, Geschlecht oder sexuelle Orientierung mit dem Würfel zu bestimmen, auf die Gefahr hin, dass er sich später ggf. mit der Verkörperung dieses Charakters unwohl fühlt. Das rechne ich zu den höchstpersönlichen Entscheidungen jedes Spielers im Interesse einer möglichst einfachen Identifizierung mit dem SC und Immersion in das Spiel.

Soweit Dein Vorschlag für einen Zufallsgenerator bei der Entwicklung von NSCs zum Einsatz kommen soll, fiele diese Rolle mir als Spielleiter zu. Aber auch ich habe ein Geschlecht und eine sexuelle Orientierung. Man mag das als mangelnde Spielleiterkompetenz werten, aber ich hege erhebliche Zweifel, ob ich hinreichend wandlungsfähig und auch nur ansatzweise vertraut mit allen hier denkbaren Kombinationen bin, um diese überzeugend darzustellen, wenn es wirklich einmal darauf ankommen sollte. Da hätte ich Bedenken, ob nicht gerade eine unglückliche Darstellung des so erwürfelten NSCs und seiner Lebensumstände durch mich unbeabsichtigt jemanden verletzen könnte; insbesondere wäre für mich der worst case ein Abgleiten in Klischees am Spieltisch durch mich oder die Spieler. Schon aus dem letztgenannten Grund würde ich bislang eher die Finger davon lassen. Ggf. reagiere ich auf die Verhaltensweisen der Spieler und improvisiere am Spieltisch, wie es dem Abenteuer nützlich ist, ohne mich von einer vorgegebenen Determinierung solcher Fragen festlegen zu lassen (kreative Diversität?).

Generell überlasse ich bei der Entwicklung eines Settings aber allgemein sehr wenig dem Zufall, ganz gleich zu welchem Thema. Zufallstabellen meide ich bislang ganz überwiegend. Aber da setzt bei mir im Moment offenbar ein leichtes Umdenken ein.

FAZIT: Das von Dir vorgeschlagene System finde ich interessant und ich könnte mir vorstellen, es vielleicht in ganz bestimmten Runden (Fantasy-Kampagne auf einem eher engen Raum wie eine Reihe von Stadtabenteuern, in denen NSCs lang anhaltende Relevanz behalten und intensivere soziale Bande aufgebaut werden; bei Cthulhu) hinsichtlich einzelner Gruppen von NSCs einfließen zu lassen. Deine Differenzierung zwischen kreativer, künstlicher und prozeduraler Diversität gibt mir Denkanstöße; ich empfinde Deine Herangehensweise als angenehm sachlich und strukturiert.

Netter Gedanke, ein solches Subsystem. Bin nicht sicher, ob es nicht ein stochastisches Problem gibt: ohne jetzt Tabellen zu bemühen, müsste der Schnitt bei 2W20 -keep -highest irgendwo bei 14 und nicht bei 10.5 liegen, womit die Chance auf heterosexuelle Charaktere niedriger ist als die 75%. Oder war das von vorneherein so gedacht?

Würde vermutlich eine W100-Tabelle bauen.

It is by nerdiness alone I set my mind in motion. It is by the roll of dice my thoughts acquire speed; the dice create uncertainty, and uncertainty creates an adventure. It is by nerdiness alone I set my mind in motion.

Vielleicht habe ich etwas nicht richtig verstanden, aber 2W20 keep highest bezieht sich doch erst einmal nur auf das Geschlecht. Bei Gleichstand, also mit einer Chance von 20 aus 400, ergäbe sich eine nicht-binäre Identität, also:
47,5 % weiblich
47,5 % männlich
5 % nicht binär

Ein Dritter W20 ist für die sexuelle Orientierung maßgeblich. Bei 1-15 (= 75 %): Heterosexualität. Alle andere Varianten von 16 bis 20 zu jeweils 5 %.

Ich meine also, 75 % kommen hin. Aber ich kann da auch einem Irrtum unterliegen.

Nur ... kommt es im Ergebnis überhaupt auf eine bestimmte stochastische Verteilung an? Zumal in einer erdachten Welt? Da könnte man jetzt lange fachsimpeln, was die richtige Verteilung wäre.

Wenn überhaupt sollte die Wahrscheinlichkeit doch (meines Erachtens) bei der Realität bleiben, also bei ca. 3,5% der menschlichen Gesellschaft, die sich in repräsentativen Studien als nicht-heterosexuell definieren. Eine Erhöhung auf 25% wäre genauer genommen bereits schädlich für den Arterhalt, ergo völlig unrealistisch (und nein, ein Fantasy-Rollenspiel sollte nicht unrealistisch sein, sondern in sich konsistent).

Ob man dazu nun eine Tabelle benötigt oder nicht - darüber mag man geteilte Meinung sein. Würde ich in einer meiner Kampagnen z.B. einen schwulen Wirt auftauchen lassen, so wären meine Spieler sicher überzeugt diese Information sei plotrelevant, da ich ja auch nicht bei jedem anderen Bewohner darauf hinweise, dass dieser "heterosexuell veranlagt" ist.

Letztlich dient also mE eine solche Tabelle nur darum politischen Einfluss auf ein Hobby zu nehmen - und das lehne ich ab.

Stimme der Vernunft. 4E Archoangel - love me or leave me!

Nachtrag: ach ja ... binärität.

 

Aktuelle Studien sprechen in Deutschland von ca. 150 Personen, die sich als divers empfinden und von deutlich unter einem Prozent (ca. 0,1 bis 0,4) die sich nicht mit ihrem biologischen Geschlecht identifizieren (kann jeder selbst nachgoogeln).

 

Ob man für die nun extra eine Tabelle benötigt bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Nur finde ich es (s.o.) moralisch falsch den tatsächlichen Anteil derart übertrieben zu erhöhen.

Stimme der Vernunft. 4E Archoangel - love me or leave me!
Zitat von Archoangel am 30. Juni 2020, 17:49 Uhr

Wenn überhaupt sollte die Wahrscheinlichkeit doch (meines Erachtens) bei der Realität bleiben, also bei ca. 3,5% der menschlichen Gesellschaft, die sich in repräsentativen Studien als nicht-heterosexuell definieren. Eine Erhöhung auf 25% wäre genauer genommen bereits schädlich für den Arterhalt, ergo völlig unrealistisch (und nein, ein Fantasy-Rollenspiel sollte nicht unrealistisch sein, sondern in sich konsistent).

Ob man dazu nun eine Tabelle benötigt oder nicht - darüber mag man geteilte Meinung sein. Würde ich in einer meiner Kampagnen z.B. einen schwulen Wirt auftauchen lassen, so wären meine Spieler sicher überzeugt diese Information sei plotrelevant, da ich ja auch nicht bei jedem anderen Bewohner darauf hinweise, dass dieser "heterosexuell veranlagt" ist.

Letztlich dient also mE eine solche Tabelle nur darum politischen Einfluss auf ein Hobby zu nehmen - und das lehne ich ab.

Kinsey gab Dir schon 48 unrecht. Und arterhalted? Ha! Verhütung ist gefährlich. Wohlstand ist gefährlich. Ganz besonders gefährlich sind feuerspeiende Drachrn, Orkhorden und dämonische Inkursionen.

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Es ist doch nur ein Vorschlag, wie man soetwas - etwa in einem D20-System - umsetzen könnte. Man kann die Prozentwerte mit einem W100 beliebig verschieben.

Ein Rollspielsystem muss nicht (und soll oft auch garnicht) unsere Realtität 1:1 abbilden. Was daran verwerflich sein sollte kann ich nicht erkennen. Bei streng historischen oder gegenwartsbezogenen Rollenspielen lege ich persönlich Wert auf Authentizität, aber sonst reicht es mir aus, wenn das Setting überzeugend ist.

Es gibt Kulturen, in denen man glaubt, die sexuelle Vereinigung mit mehreren verschiedenen Männern würde zur Zeugung stärkerer Kinder führen und alle diese Männer seien auch tatsächlich biologische Väter des Kindes. Naturwissenschaftlich/medizinisch ist das in unserer Welt natürlich Humbug. Aber warum sollte ich nicht in einer Fantasy-Welt für eine Rasse definieren, dass dem so sei?

Die Aussage, ein Anteil von 25 % nicht heterosexueller Personen sei schädlich für den Arterhalt, erscheint mir sachlich schwer begründbar. Dafür dürfte es keinen wissenschaftlichen Beleg geben. Und viele andere Faktoren (z.B. eine niedriger Kindersterblichkeit, eine größere Kinderzahl, gemeinsame 'Aufzucht' aller Kinder durch die soziale Gemeinschaft/den Stamm etc.) können solche Abweichungen ausgleichen. Zudem beinhalten die 25 % auch 20 % bisexuelle, pansexuelle, asexuelle und sonstige Orientierungen, die durchaus auch in einer Partnerschaft zu Nachkommen kommen können. Es bleiben 5 % für Homosexualität; selbst bei dieser Grupper erscheint mir die Annahme, es würde dort keinesfalls zur Zeugung von Nachkommen kommen, etwas realitätsfern.

Ich kann Deine Bendenken daher nicht recht teilen, Archoangel.

Allerdings räume ich ein:  Mein allererster Gedanke war ehrlich gesagt, ob nicht schon die Festlegung der Höhe von Prozentwerten wenig fruchtbare Diskussionen auslösen würde oder auch (unbeabsichtigt und gerade entgegen der positiven Intention) Minderheitenposition regeltechnisch unnötig manifestieren könnte?

Davon ganz losgelöst bedanke ich mich nochmal für den Link zu Deinen Gedanken, blut_und_glas!

Ich möchte auf einige aufgeworfene Punkte später noch direkt eingehen, aber im Moment nur eine Anmerkung/Erinnerung meinerseits, da das scheinbar im Artikel untergeht:

Das konkrete Modell ist ausdrücklich nicht als generisch zu verstehen, sondern maßgeschneidert auf meine Bedürfnisse bei der Vorbereitung einer ganz bestimmten Region und Kampagne (konkret meinen Teil unserer gemeinsamen ADDKON-kompatiblen Wilden Gestade, die demnächst starten werden), und dort erst einmal für die Zufallsgenerierung von Datenpunkten für bereits identifizierte "wichtige" Nichtspielerpersonnagen (insbesondere die Herrschenden über verschiedene Siedlungen, die lokal jeweils mächtigsten Kleriker und Druiden, Anführerinnen von Truppenkontingenten).

Eine Anwendbarkeit auf beliebige Spielwelten ist in dieser Form nicht intendiert.

Später wie gesagt mehr.

Aber hier schon einmal Danke für die Rückmeldungen.

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