Disputorium

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Antisemitismus im aktuellen DSA

Jünger ist ja ne Flitzpiepe. Er hatte reichlich Gelegenheit eine Untergrundbewegung zu gründen angesichts verrbrecherischen Staats. Aber 1951 schreibt er anstattdessen nen Essay? Pffft.

sfsn!

Zitat von Settembrini am 20. Juli 2020, 5:22 Uhr

Jünger ist ja ne Flitzpiepe. Er hatte reichlich Gelegenheit eine Untergrundbewegung zu gründen angesichts verrbrecherischen Staats. Aber 1951 schreibt er anstattdessen nen Essay? Pffft.

sfsn!

Interessant finde ich da "Auf den Marmorklippen". Da ist - im Fantasy-Gewand - alles drin: Machtergreifung; die Widerstandsbewegung, die zu ihm die Fühler ausstreckt und die er zwar bewundernswert findet aber halt doch abblitzen lässt. Dann Vernichtungslager und am Ende das Land in Flammen und die Erkenntnis, während er in den Sonnenuntergang segelt, dass man da vielleicht doch am Anfang etwas dagegen hätte machen sollen. Man könnte jetzt meinen, dass Jünger da nach dem Krieg sein eigenes moralisches Scheitern verarbeitet hat. Aber der Roman ist von 1939!

Aber wie dem auch sei: Jünger wie Thoreau halte ich nicht wegen ihren Antworten für lesenswert, sondern wegen ihren Fragen.

Hat sdchon jemand Simulacrum und Simulation von Baudriillard gelesen? Da schreibt er ja darüber, das unsere gesellschaft von Zeichen und Symbolen gesteuert wird, die sich selbsständig gemacht haben, und von der realität losgelöst sind. Das ist iMO ein sinnvoller Ansatz, um sich dem phänomen zu nähern.

Mit Jüngerns innerer Emigration kann ich sympatisieren. Werd ihn mal bei gelegenheit anlesen. Ich finde aber, der Konflikt findet nicht auf einer offenen Ebene statt- Hitler hat teils recht klar gesagt, was er so vorhat- sondern auf einer versteckten. Was gesagt wird und was getan wird stimmt nicht mehr miteinander überein, es besteht sogar eine Dissonanz zwischen dem, was gesagt wird. So eine Art widersprüchliche Newspeak, wo man gleichzeitig zwei widersprüchliche Gedanken nebeneinander stehen lassen kann.

Interessant in dem Zusammenhang auch Welcome to the desert of the real. Der offenslichtliche Kulturkampf ist nur Ablenkung, um das Volk von den realen Problemen abzulenken.

Re Gronkh-Gate: was schon keiner mehr als Skandal wertet, aber eigentlich einer ist; Daß die Jugend anderen Leuten beim Spielen zuguckt, anstatt selber zu spielen, und daß natürlich DSA da die allererste Adresse ist.

+1

Gronkh, das Ulisses-Versagen und die Spießer

Was ist das jetzt? Die Einladung von Gronkh war vielleicht doch in Ordnung, aber das Schulterzucken seitens Ulisses auf die (dann unberechtigte) Kritik an der Gronkh-Einladung trotzdem nicht? Die seinerzeitige Reaktion von Ulisses war falsch, ihre Löschung um des lieben Friedens willen aber auch? Ich kann den Gedankengängen wirklich nicht mehr folgen. Stehe ich irgendwie auf dem Schlauch?

All dead! All dead!
Zitat von Settembrini am 21. Juli 2020, 7:54 Uhr

... was schon keiner mehr als Skandal wertet, aber eigentlich einer ist; Daß die Jugend anderen Leuten beim Spielen zuguckt, anstatt selber zu spielen, ...

Das ist tatsächlich nach meinem Eindruck ein wirklich MASSIVES Problem.

Aber eines, das an sich keine Aufregung produziert, sondern eben nur, wenn einem der "Vorspieler" etwas rausrutscht oder sich dessen bisweilen millionenstarken Zuschauer verbal so ähnlich verhalten, wie man es seit Jahrzehnten von Fußballfans verbal und physisch gewohnt ist.

Der kulturelle Zeitgeist kommt dann auch gleich mit "Cancel Culture" an und sorgt dafür, daß die betreffende, angeschuldigte Person für immer und vollkommen ZERSTÖRT wird - und nicht nur im Hobbybereich, nicht nur auf bestimmten sozialen Medien-Plattformen, sondern eben ÜBERALL, damit die Person sich dann am besten gleich selbst umbringt, denn die ist ja BÖSE und deren Anschuldiger und ihre Hetzmobs sind die GUTEN.

Auch interessant: es ist EGAL, wie eine Person heutzutage so agiert und sich äußert, denn man kann auch jahrealte, ja jahrzehntealte Äußerungen, die damals eventuell sogar niemanden gestört hatten, heranziehen, um heute entsprechend den heutigen Empfindlichkeiten Personen zu zerstören.

JEDER kann in die Schußlinie geraten. NIEMAND ist sicher.

In diesem Sinne: "I want you to PANIC!"

Naja, man muss allerdings sagen, bisher hat die cancel culture sich nicht übermäßig verdient gemacht. Der Typ lebt ja noch, hat auch noch sein Verdienstmodell laufen wie zuvor, und ausgeladen worden ist er auch nicht. Ich hege so die Befürchtung, er hat seine Verfehlungen und die darauf folgende Empörung nicht einmal richtig wahrgenommen.

Also irgendwie fällt es mir da schwer, in Angst und Panik gegenüber dem Internetmob auszubrechen.

 

Oh, mir ging es nicht um den Gronkh-Typen, von dessen Existenz ich vor dem Arkanil-Blog-Beitrag nicht einmal etwas ahnte. Der dürfte das ziemlich unbeschadet überstehen. Aber es gibt eben auch andere - im Comic-Bereich z.B. - bei denen es schon existentielle Schäden angerichtet hat.

In Deutschland? Wer denn?

In diesem Zusammenhang eine schöne Polemik, wie ich finde (in Videoform):

"If people seem slightly stupid, they’re probably just stupid. But if they seem colossally and inexplicably stupid, you probably differ in some kind of basic assumption so fundamental that you didn’t realize you were assuming it, and should poke at the issue until you figure it out." - Scott Alexander